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Expert in the spotlight in Juli/August 2013: Brigitta Busch

The expert in the Spotlight feature gives you the chance to interact one-on-one with our Ask the expert-section. The feature also povides interesting and insightful comments regarding the subjects mentioned above, in-depth content and exclusive Q and A’s.

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(You can read this interview with Brigitta in English and German)

Dr. Brigitta Busch works as professor at the Institüt für Sprachwissenschaft / Institute of Applied Linguistics of the Universität Wien /University of Vienna ,Wien / Vienna, Austria. In 2013 she wrote : Mehrsprachigkeit , it has been pubished in Wien by UTB/Facultas 

Jeder Mensch ist mehrsprachig. Wir alle pendeln täglich zwischen verschiedenen Sprechweisen (Dialekt, geschriebene Sprache,Umgangssprache, Fachsprache …) und begegnen (in der Straßenbahn, in der Schule, in Medien, auf Reisen …) einer Vielfalt von Sprachen. Wer erforschen will, wie wir Sprachen erleben, Sprachen erwerben und mit Sprachen umgehen, findet in diesem Band aktuelle soziolinguistische Zugänge zur Mehrsprachigkeit aus Subjekt-, Diskurs- und Raumperspektive. Vorgestellt werden auch Methoden der Mehrsprachigkeitsforschung wie sprachbiografisches Arbeiten oder die Exploration lokaler Sprachregime. Neben Studierenden der Linguistik erhalten auch Personen in Ausbildung zu Lehr- und Sozialberufen wertvolle Hilfestellungen für ihre zukünftige Arbeit in einer multilingualen Gesellschaft.

Face to face with Brigitta Busch

What is your background in the field of regional and minority languages/education/ multilingualism?
My interest in minority issues developed when I moved from Vienna into the bilingual region of Carinthia. I learned Slovene and, together with many others, I fought to keep and expand the then threatened bilingual school. Even before I started my academic career, which up to this day revolves around multilingualism, I got the opportunity in the early 1990s to participate in the elaboration of the Council of Europe-programme for confidence building measures between minorities and majorities and to closely manage corresponding grassroots projects, in particular within the former Yugoslavia. In 2009 I was appointed member of the Advisory Committee that monitors compliance with the Council of Europe’s Framework Convention for the Protection of National Minorities. 

Mein Interesse an Minderheitenfragen begann, als ich von Wien ins zweisprachige Gebiet Kärntens zog. Ich erlernte die slowenischen Sprache und engagierte mich mit vielen anderen für den Erhalt und den Ausbau der damals in ihrem Bestand bedrohten gemeinsamen zweisprachigen Schule. Noch bevor ich meine akademische Laufbahn einschlug, in der die Beschäftigung mit Fragen der Mehrsprachigkeit bis heute im Zentrum steht, bekam ich Anfang der 1990er Jahre Gelegenheit, an der Ausarbeitung des Europarats-Programms für vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Minderheiten und Mehrheiten mitzuwirken und entsprechende Grassroot-Projekte vor allem auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien aus nächster Nähe zu begleiten. 2009 wurde ich als Expertin ins Advisory Committee berufen, das die Einhaltung der Rahmenkonvention zum Schutz Nationaler Minderheiten überwacht.

What do you think is the major challenge in your field of work?
I think a major challenge is to develop a contemporary conception of linguistic rights. We need to gradually abandon the idea that language, identity, and territoriality are inextricably linked and to acknowledge that more and more people in everyday life speak more than one language, commute between different geographical areas, and feel part of several social worlds. Therefore, in the 3rd Thematic Commentary on Language Rights for the European Framework Convention, we have attempted to rethink linguistic rights in three directions: as a right to be different, including the right to live linguistically different; as a right to equal access to social, cultural, and economic resources despite differences, and finally as a right to participate in a societal dialogue about differences.

Eine wichtige Herausforderung sehe ich darin, zu einer zeitgemäßen Konzeption von Sprachenrechten zu finden. Wir müssen uns nach und nach von der Vorstellung verabschieden, dass Sprache, Identität und Territorialität unauflöslich miteinander verbunden sind, und zur Kenntnis nehmen, dass immer mehr Menschen im Alltag mehr als eine Sprache haben, zwischen unterschiedlichen geographischen Räumen hin und her pendeln und sich unterschiedlichen sozialen Welten zugehörig fühlen. Im 3rd Thematic Commentary on Language Rights zur Rahmenkonvention haben wir daher versucht Sprachenrechte in drei Richtungen neu zu denken: als Recht auf Differenz, also darauf, sprachliches 'Anders-Sein' zu leben, als Recht auf gleichberechtigten Zugang zu sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Ressourcen trotz Differenz und schließlich als Recht auf Teilnahme an einem gesellschaftlichen Dialog über Differenzen hinweg.

What is one of the hottest new projects / items you are working on?
My current research focuses on the relation between speech and emotion. For example, we study what happens when people change their language, give up one language for the benefit of another, or when they return to an earlier language. We assume that each speaker possesses a ´heteroglossic repertoire´, many ways to speak and many languages, each of which is more or less prominent, depending on the situation or stage in life, but that is always present, in a sense. In a current interdisciplinary research project we examine how people reassess their language after traumatic experiences such as persecution, war, or flight, which languages they might avoid and which, on the other hand, might provide them with a sense of security.

Meine aktuelle Forschung konzentriert sich darauf, wie Sprache und Emotionen zusammenhängen. Wir fragen zum Beispiel danach, was passiert, wenn Menschen ihre Sprache wechseln, also eine Sprache zugunsten einer anderen aufgeben oder wieder zu einer früheren zurückkehren. Dabei gehen wir davon aus, dass jede Sprecherin, jeder Sprecher über ein „heteroglossisches Repertoire“ verfügt, über viele Sprechweisen und Sprachen, die je nach Situation oder Lebensabschnitt stärker in den Vordergrund oder in den Hintergrund treten, aber in gewissem Sinn immer da sind. In einem aktuellen interdisziplinären Forschungsprojekt gehen wir der Frage nach, wie Menschen nach traumatischen Erfahrungen wie Verfolgung, Krieg oder Flucht ihre Sprachen neu werten, welche sie möglicherweise meiden oder in welchen sie im Gegenteil ein Stück Sicherheit finden können.

Are there any important references such as articles, links, etc. you would like to mention?

  • Brigitta Busch (2013). Mehrsprachigkeit. Wien: UTB/Facultas. - isbn 978-3-8252-3774-5
    • Jeder Mensch ist mehrsprachig. Wir alle pendeln täglich zwischen verschiedenen Sprechweisen (Dialekt, geschriebene Sprache,Umgangssprache, Fachsprache ...) und begegnen (in der Straßenbahn, in der Schule, in Medien, auf Reisen ...) einer Vielfalt von Sprachen. Wer erforschen will, wie wir Sprachen erleben, Sprachen erwerben und mit Sprachen umgehen, findet in diesem Band aktuelle soziolinguistische Zugänge zur Mehrsprachigkeit aus Subjekt-, Diskurs- und Raumperspektive. Vorgestellt werden auch Methoden der Mehrsprachigkeitsforschung wie sprachbiografisches Arbeiten oder die Exploration lokaler Sprachregime. Neben Studierenden der Linguistik erhalten auch Personen in Ausbildung zu Lehr- und Sozialberufen wertvolle Hilfestellungen für ihre zukünftige Arbeit in einer multilingualen Gesellschaft.
  • Brigitta Busch (2012). The Linguistic Repertoire Revisited. Applied Linguistics 33, 503-523.
  • Brigitta Busch and Thomas Busch (2012). A speaker-centred approach to linguistic rights. Language as a transversal matter in the European Framework Convention for the Protection of National Minorities. In Olivier Delas and Michaela Leuprecht (eds.), Liber Amicorum Peter Leuprecht 161-181. Bruxelles: Bruylant. Isbn 978-2802734819
  • For further information: http://heteroglossia.net  

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